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Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis)

Einige Menschen können normale Alltagsgeräusche derart schlecht ertragen, dass der Körper mit Beschwerden wie Herzrasen, Nervosität und Schweißausbrüchen reagiert. Die meisten Patienten leiden extrem unter der Überempfindlichkeit gegen Geräusche, sind aber oft hilflos und kennen keinen Ausweg.

Symptome: Bei Patienten, die unter der Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) leiden, treten schon bei Alltagsgeräuschen wie das Telefonklingeln oder Hundegebell Symptome wie Bluthochdruck, Schweißausbruch, Nervosität, Herzrasen, Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich, Angst oder Aggressivität auf. Nicht bei jedem ist das Krankheitsbild gleich stark ausgeprägt, dennoch ist der Leidensdruck bei vielen so immens, dass sie sich aus dem sozialen Leben, aus Angst vor unangenehmen Geräuschen, zurückziehen. Schon leise bis mäßig laute Geräusche können sich als Qual erweisen. Bei den meisten Betroffenen wird die Geräuschüberempfindlichkeit von anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Tinnitus (permanentes Ohrgeräusch) begleitet. Die Überempfindlichkeit scheint vor allem Erwachsene zu treffen, denn nur sehr wenige Kinder leiden darunter.

Ursachen: Die Geräuschüberempfindlichkeit kann durch ganz verschiedene Faktoren ausgelöst werden. Vermutlich ist aber die Geräuschverarbeitung im Gehirn gestört. Bei einem gesunden Menschen kann das Gehirn zwischen wichtigen und unwichtigen Geräuschen unterscheiden und letztere ausblenden. Deshalb wacht eine Mutter sofort auf, wenn ihr Baby nachts schreit, während unbedeutende Geräusche die Nachtruhe nicht stören. Bei Patienten mit Hyperakusis ist dieser Automatismus offenbar gestört. Folgende Faktoren können zu der Überempfindlichkeit gegenüber Geräuschen führen: Hörsturz, Stress, Migräne, neurologische Erkrankungen wie Epilepsie, Multiple Sklerose oder eine Gesichtslähmung, verschiedene Wirkstoffe in Medikamenten wie Azetylsalizylsäure, Chinin und Vitamin B6 sowie eine Otosklerose Operation. Zudem kann die Angst vor der Geräuschempfindlichkeit die Beschwerden verstärken. Demnach ist auch die psychische Komponente nicht zu verachten.

Diagnose: Damit der Arzt eine genaue Diagnose stellen kann, wird er vorerst eine Anamnese (Vertrauengespräch) durchführen. Dabei wird die Krankheitsvorgeschichte des Patienten geklärt. Anschließend wird der Mediziner Hals, Nase und Ohren untersuchen. Manchmal kann der Hyperakusis auf eine Hörschwäche zurückgeführt werden, meistens funktioniert das Gehör bei Betroffenen aber ganz gut. Entsprechend der Symptome muss der Betreffende einige Untersuchungen über sich ergehen lassen.

Therapie: Leider lässt sich die Geräuschüberempfindlichkeit nicht mit Oropax (Gehörschutz) beheben. Sinnvoll ist statt dessen das neurootologische Counseling, eine mehrwöchige Beratung, die dem Patienten Aufschluss über das Krankheitsbild gibt. Zudem bekommt der Betroffene im Rahmen dieser Informationen einen Teilmasker bzw. Noiser, ein Gerät das dem Hörgerät sehr ähnlich ist und Geräusche individuell regulieren kann. Die Desensibilisierung (Habituation) mit diesem Gerät kann jedoch bis zu ein Jahr dauern. Vorerst wird es sehr leise und nach und nach immer lauter eingestellt. Das Gehirn kann sich so langsam daran gewöhnen, zwischen wichtigen und unbedeutenden Geräuschen zu unterscheiden und wird auf den normalen Lärmpegel des Alltags vorbereitet.

Übrigens: Forscher versuchen derzeit herauszufinden, ob Medikamente, welche auf den Botenstoff Serotonin im Gehirn einwirken, helfen können. Bisweilen gibt es aber die rein medikamentöse Behandlung noch nicht.